Gute literarische Beitraege enden gewoehnlich mit Zitaten oder alternativ mit einem wirklich guten Gag, leider haben wir beides gerade nicht auf Lager. Was wir alles gesehnen und erlebt haben war wirklich fantastisch aber von den Highlights haben wir hier ja die letzten Monate berichtet, fehlt also nur noch das ganze auch mal kritisch zu betrachten und mal davon zu berichten was uns wirklich geervt hat, wie zum Beispiel dass 8 Monate im Nachinein wie im Flug vergangen sind, einem manchmal aber auch wie eine Ewigkeit vorgekommen sind. Reisen ist mit Sicherheit kein Urlaub. Mit der Zeit hat man einfach zu viel gesehen und erlebt und kann sich nicht mehr fuer alles begeistern. Nach 100 Straenden interessier einen kein Suedseeparadies mehr und nach 3 Wochen Indien kann Burger King im Flughafen von Honk Kong das Tageshighlight sein. Tourismus geht einem fast immer auf die Nerven und wird schlimmer je mehr “Backpacker “ beteiligt sind (besonders in Australien). Manchmal fragt man sich auch, was man 40000km weit von Zuhause weg will, wenn im Supermarkt alle um einen Deutsch sprechen. Ausserdem sind wir wirklich nicht die perfekten Reisenden. Sowohl das staendige Sparen als auch die (meistens wirklich versifften) Unterkuenfte raubten einem den Nerv, davon, dass man sich fuer 8 Monate Toilette und Bad mit bis zu 20 andern teilen musste ganz zu schweigen.Vielleicht sind wir auch einfach zu gut geworden nach der langen Zeit oder haben zu viel gesehen, sodass man nicht mehr wirlich das Gefuehl hat das “grosse Abenteuer” zu erleben.
Ansonsten: Amerika unter 21 macht wirklich vieles komplizierter und Arbeiten im Ausland macht Geldtechnisch ueberhaupt keinen Sinn. Wenn man nach Hawaii geht sollte man auf Big Island und sich die Vulkane anschauen (was wir verpasst haben) und nicht meinen, dass die Oahuinsel und Honolulu einen auch nur fuer 2 Tage unterhaelten (besonders wenn man vorher auf Fiji war). Wer schnell reist und viel sieht wird schnell einsam und wer viele Leute kennenlernen will (heisst nicht nur fuer einen oder zwei Tage) dem bleibt nichts anderes uebrig als 2 Wochen an einem Platz zu bleiben und deshalb sein Geld fuers “Nichts-sehen” auszugeben oder seine Freunde gleich von zu Hause mitzubringen. Und ganz wichtig: in Australien ist man nicht der Einzige, der auf die glohrreiche Idee gekommen ist, weit weg von zu Hause zu sein und ganz ehrlich, zu viele Deutsche sind weder fuer das Englisch noch feuer das Gefuehl, was Besonderes zu machen gut. Zwar trifft man unglaublich viele wirklich nette und interessante Menschen, aber auch sehr oft sind die Hostels voll mit irgendwelchen “Reisenden” die seit 2 Monaten nichts mehr getan haben und die Zeit in ihren Zimmerm mit Laptop und X-box (ja es gibt wirklich Leute die sich ne X-Box in Australien kaufen waehrend sie “reisen”) verbringen, was nicht nur gar nichts mit Reisen zu tun hat, sondern auch nichts bringt ausser mehr Geld als zu Hause zu verschleudern. Ausserdem hat wirklich jedes Land seine Vor- und Nachteile. Indien ist zwar sehr interessant, aber auch anstregend und Singapur ist dagegen sauber und sicher (und das Essen ist super), dafuer aber nach 2 Tagen totlangweilig. Die USA ist mit den Staedten und den Nationalparks wirklich fantastisch (was sogar meine grossen Erwartungen uebertroffen hat), aber ohne Geld geht dort wirklich weniger als gar nichts und Fiji ist zwar das Paradies auf Erden, aber nach 8 Tagen auf einer Insel (auf der es nicht mal einen Miniladen gibt und man ausser dem taeglich 3 mal dem gleichen Essen nichts bekommen kann) ist man auch froh wieder in die normale Zivilisation zurueckzukehren. Deswegen waren wir auch jedesmal froh wieder am Flughafen zu stehen und 3 Wochen Fast Food gegen die naechsten 3 Wochen Reis zu tauschen oder unertraegliche Hitze gegen Campen bei Minusgraden (naja ganz so schlimm auch nicht aber so in der Art). Andererseits waere es ja auch langweilig, wenn es irgedwo so perfekt waere, dass man nicht mehr gehen will, denn dann waere die Reise sehr schnell vorbei. Und wenn einem das Leben aus dem Rucksack nach (immerhin) 8 Monaten nicht langsam auf die Nerven gehen wuerde, wuerden wir dann wahrscheinlich nie mehr nach Hause kommen.
Natuerlich heisst das nicht, dass wir unsere Reise bereuen wuerden, ganz im Gegenteil, sondern nur, dsas wir uns auch auf Zuhause freuen. Gruende zu Reisen gibt es genug und zumindest ich hab meine naechste laengere Reise schon geplant (mit etwas grosszuegigerem Budget versteht sich und sicher nich mehr 8 Monate am Stueck). Je mehr man sieht desto mehr wird einem bewusst, was man alles noch sehen will. Das eigentliche Ziel (rauszufinden was wir in Zukunft mit unserem Leben anfangen wollen) haben wir zwar nicht erreicht, dafuer aber ein gutes Stueck Lebenserfahrung dazugewonnen, wirklich hilfbereite und nette Menschen kennengekernt und natuerlich Dinge gemacht und erlebt, die man Zuhause nie machen oder sehen wuerde. Und an die Freiheit sich jede Sekunde umentscheiden zu koennen koennte man sich auch gewoehnen. Wie gesagt, die Gruende warum sich jeder Tag unser Reise gelohnt hat kann man in den vergangenen 60 Eintraegen lesen.
Ansonsten vielen Dank fuer die, naja immerhin fast 5000 Besucher, unsere Rucksaecke sind gepackt, massenweise Costa Rica Kaffe haben wir gekauft und unser Flug steht, das wars von uns...